Samstagsradeln in Corona-Zeiten

Holprig, flexibel, schön

1. Zwischen Ammersee und Lech

Am Samstag, den 25. April 2020 sollte laut Programm das erste Samstagsradeln zwischen Ammersee und Lechstattfinden. Aber das war noch in der Corona-Kernzeit. Erst am 27. April traten erste Lockerungen in Kraft und ab 11. Mai war Radfahren zu fünft erlaubt. Wir nutzten am 16. Mai die Chance für eine erste Radtour.

Wir nutzten das Kontingent voll aus und starteten zu einer ausgesprochen „christlichen Zeit“ um 9:42 Uhr mit der S-Bahn nach Geltendorf. Das Wetter war gut; über den Voralpen zeigten sich einige Haufenwolken. Wir durchquerten das Kloster St. Ottilien und waren im Nu in Windach. Dort allerdings traf ein ziemlich steiler Anstieg auf die im Aufbau begriffene Kondition der RadlerIn. Über einen schotterigen Waldweg gelangten wir auf eine Anhöhe über Finning und hatten einen prächtigen Blick auf Alpen.

Auf dem Staudamm des Windachspeichers war dann die erste Pause angesagt. Coronabedingt wurde im Breitformat fotografiert. Ein Panoramaweg führte uns nach Hofstetten. Dort hatte freundlicherweise eine Bäckerei offen – Biergärten und Gaststätten durften noch nicht öffnen. Leider waren aber Leberkäs-Semmeln und andere Brotzeiten schon aus. Immerhin konnten wir unsern Kaffee draußen aus Pappbecher zwischen aufgestapelten Stühlen trinken.

In Thaining ging’s am noch nicht gefüllten Schwimmbad vorbei und weiter über Stadl zum Lech hinunter. Hinter Pitzling war er dann erreicht, leider aber auch eine Absperrung, die auf eine Baustelle in Landsberg mit zugehöriger Umleitung hinwies. Zurück wieder auf die Lechhöhe hinauf? Niemals! Ein brauchbarer Trampelpfad umging die Absperrung und wir kamen zügig bis Landsberg voran. Aber dort war die Welt zwischen Steilhang und Fluss mit Baugittern versperrt. Mit Rad war kein Durchkommen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gaben wir klein bei und schoben 1.000 m (80 Höhenmeter) den Berg hinauf.

Das Schlimmste aber war: Für den Besuch der Eisdiele am Lech, die schon in Blickweite war, hätten wir wieder hinunterfahren müssen bzw. anschließend wieder hinauf. Der Besuch in der Eisdiele wurde gestrichen! So umrundeten wir planmäßig den aufgelassenen Flugplatz Penzing und fuhren auf einem schönen, aber hügeligen Radweg über Ramsach nach Eresing. Von dort waren es nur mehr zwei Kilometer zum Bahnhof Geltendorf. Insgesamt hatten wir 62 Kilometer und 472 Höhenmeter bewältigt.

2. Zwischen Paar und Lech

Für den 30. Mai war eine Radtour durch das Gleißental im Südosten von München geplant. Nicht Corona, sondern die S-Bahn München machte uns hier einen Strich durch die Planung: Stammstreckensperrung! Also Umplanen in Richtung Westen. Wieder brachte uns die S4 nach Geltendorf. Mit dem Rad fuhren wir hinunter in die Gemeinde Kaltenberg und dann hinauf zum Schloss Kaltenberg, das sich noch im Dornröschenschlaf befand. Weiter ging’s westwärts. Petzenhausen, Geretshausen und Weil lagen Weg zum Lech, den wir oberhalb der Staustufe 19 erreichten.

B ei Staustufe 20 führt der Radweg dann auch schon wieder weg vom Lech, hinauf nach Scheuring und weiter zwischen Wiesen und Feldern nach Pittriching. Nach etwa 10 km querten wir bei Staustufe 22 wieder auf das Westufer. Dort gibt es einen sehr schönen Weg entlang am schnell fließenden Lochbach. Diesem folgten wir bis zum Ende des Mandichostausees. Ein kurzer Blick von der Staumauer und dann waren die 2 km bis zum Mittagessen in der Waldgaststätte Friedenau schnell geschafft. Das Essen wurde coronagerecht auf der Terrasse serviert.

Gut gestärkt fuhren wir sodann auf schottrigen Feldwegen wieder Richtung Süden. Vor Merching bewältigten wir die Querung vom Lech- ins Paartal. Über Steindorf gelangten wir nach Egling a.d. Paar. Danach kam noch Walleshausen und der Anstieg nach Geltendorf – leider war auch noch ein Gegenwind dabei -und die kurze Abfahrt zum Bahnhof. 68 km und 350 Höhenmeter waren bewältigt.

3. Ins Gleißental

Am 20.Juni wagten wir uns auf den Weg ins Gleißental, einem Trockental zwischen Deining und Deisenhofen. Für den Nachmittag waren Gewitter im Osten von München angesagt. Ohne Schwierigkeiten brachte uns die S3 von Gröbenzell direkt nach Otterfing. Ein schöner weißblauer Himmel empfing uns im Oberland. Kaum merklich stieg die Strecke nach Palnkam an. Im Wald vor Talham wurde es etwas steiler und hinter Talham ging es mit Schwung abwärts nach Dietramszell. Dort statteten wir der Klosterkirche einen Besuch ab. Dann wandten wir uns nach Norden, erst den Berg hinauf, an St. Leonhard vorbei nach Föggenbeuern. Bei der Abfahrt nach Oed verfinsterte sich der Himmel und in Harmating kam der erste Schauer. Wir stellten uns unter und verspeisten die von Karin gestifteten Brezn. Beim nachlassendem Regen fuhren wir über Moosham nach Thaining und kamen bei Sonnenschein in Aufhofen beim Jägerwirt an. Ein gutes Mittagessen ließ uns länger verweilen.

A ls wir aufbrachen, schien im Süden die Sonne und im Norden stand eine blauschwarze Wand. Erst fuhren wir noch paar hundert Meter in Richtung Westen, aber dann mussten wir nach Norden ins Gleißental einbiegen. Über einen ganz brauchbaren Waldweg erreichten wir nach den ersten Tropfen das Waldhaus Deininger Weiher, für uns zumindest ein Platz zum Unterstellen. Der Regen aber wollte nicht enden. Eine Radlerin stand erst unter einem Dachvorsprung. Dieser vermeintlich trockene Platz verwandelte sich bei überlaufender Dachrinne schnell in eine Dusche.

Als wir meinten, der Regen hätte nachgelassen, stiegen wir auf die Räder und hinein ging’s ins Gleißental, Abschnitt 2. Der durchnässte und teilweise mit Wurzeln durchzogene Waldweg erforderte volle Konzentration. Anfangs war der Bach, der Abfluss aus dem Deininger Weiher, auch Gleißenweiher genannt, noch neben uns. Irgendwann war er weg, aber von einem Trockental konnte keine Rede sein. Nach acht Kilometern hörte das naturbelassene Gleißental ebenso auf wie der Regen. Wir waren in Oberhaching angekommen.

Das Gleißental haben wir nach einem Umweg über den Bahnhof Deisenhofen wiedergefunden – der Durchlass unter der S3 war gesperrt. Und sieh da, es gab auch wieder einen Bach mit Wasser drin! Er schlängelt sich durch das Hintere und Vordere Gleißental heißt aber fortan Hachinger Bach.

Diesem Bach wollten wir folgen. Es war nicht immer leicht, aber abgesehen von ein paar Durchlässen unter Autobahnen und Schnellstraßen schafften wir es. Die nächsten Orte hießen Potzham, Taufkirchen und Westerham. In Unterhaching erreichten wir den Landschaftspark Hachinger Tal, den ehemaligen Flugplatz Neubiberg. Hier befinden sich Bach und Radweg in einem angenehmen Umfeld, doch gleich daneben auf der Biberger Straße fängt einen die Wirklichkeit des Speckgürtels wieder ein.

Unterbiberg ist dann schon mit der Landeshauptstadt München zusammengewachsen. Einen gewissen Charme hat sich (Alt-) Perlach auch dank des Bachlaufs bewahrt. In den westlichen Rand des Ostparks ist der Hachinger Bach gut einbezogen. Nur an der Heinrich-Wieland-Straße verschwindet er dann und die Radler müssen einen Umweg über den U-Bahnhof Michaelibad fahren. Kurz taucht er wieder auf, um in einem Sickerbecken endgültig zu verschwinden. Ein meist trockenes Kiesgerinne führt noch ein Kiesgerinne bis fast zur Kreillerstraße. Dann war aber Schluss mit der Bachverfolgung und wir stiegen in Berg am Laim in die S4 nach Puchheim.

R. Koch